
broschüre von coop, seite 2
(…) Damit Sie jederzeit sicher sein können, was Sie kaufen. Auch dann, wenn die konventionelle Zitrone aus Versehen in den Korb nebenan zu den Bio-Zitronen gelegt wird. Naiv wie ich war, glaubte ich den Grund für die nicht auf den ersten Blick einleuchtende Verpackung darin zu sehen, dass SchlaumeierInnen zuweilen diskret das Knospe-Kleberli beispielsweise von einem Hochstammapfel entfernten, um bei der Waage dann die Nummer des halb so teuren Neuseelandproduktes einzugeben. Eine Art umgekehrtes Rabattmärklisystem, nicht legal, aber schwer beweisbar. Jetzt allerdings weiss ich es besser.
Coop arbeitet stetig daran, die Verpackung bei Bio-Produkten nach den neusten ökologischen Erkenntnissen zu gestalten. Das bedeutet: Verpackung wo immer möglich weglassen …. Neben diesem mit Mehr Umweltschutz betitelten Text befindet sich – Bilder sagen mehr als 1000 Worte -eine Abbildung von komplett eingeschweissten Bio-Gurken. Meine Gedanken führen mich schnurstracks zur relativ neu ins Sortiment genommenen Coop Bio-Bierbüchse aus Aluminium, diesem Inbegriff der neuesten Erkenntnis umweltfreundlicher Verpackung.. Etwas in mir zweifelt also noch immer. Vielleicht deshalb halten die PR-Leute in dieser kostenlos aufliegenden Aufklärungsschrift noch mehr Argumente feil.
Unter dem Titel Weniger Ausschuss heisst es, die Verpackung schütze … auch im Laden vor dem Austrocknen … und die Ware bliebe so länger frisch. Dabei dachte ich immer, diese „marktfrischen“ Produkte müssten möglichst rasch umgesetzt werden. Dank luftdichter Verpackung können nun wenigstens Bio-Produkte getrost noch ein wenig länger atemlos im Regal liegen bleiben. Viele gute Gründe, doch es gibt noch weitere. Diese Massnahmen tragen zu einem geringeren Energieverbrauch bei, denn wenn durch die Verpackung weniger Ware verdirbt, spart das unter dem Strich mehr Energie, als in der Verpackung steckt. Also noch ökologischer als das Weglassen der Verpackung, da seht ihrs, liebe Bio-Laden-BetreiberInnen, ihr seid einfach nicht auf der Höhe der Zeit. Danke, lieber Coop, dass Du Produkte vor Verderbnis und Fäulnis schützt und Dich uneigennützig in den Dienst der KonsumentInnen und der Natur stellst. Ich freu mich übrigens schon auf den Hauptpreis des Wettbewerbs auf der letzten Seite der Broschüre, einem Aufenthalt in einem Bio-Hotel.. Oder wenns dann doch nicht reicht, wenigstens auf den 4.-20. Preis, einem 4er-Set Gläser aus rezyklierten Bierflaschen. Dann wird meinem Bierkonsum und dem daraus folgenden Gang zum Altglas-Container so etwas wie ein höherer Sinn verliehen werden. Das entschädigt mich auch dafür, dass das lustige Kleberli-Entfernen-Spiel nun der Vergangenheit angehört.
Der letzte Satz der Broschüre ist denn auch fast der schönste:
Für Bio ohne Kompromisse – auch bei der Verpackung



Ich frag mich auch schon seit einiger Zeit, wozu diese Verpackung gut sein soll. Die Gründe, die Coop anführt jedenfalls, überzeugen nicht und sind teilweise fast absurd. Bio heisst doch naturbelassen, da muss man keine Lebensmittel in Folie einschweissen. Ein gepflegtes Sortiment sollte dazu führen, dass die Produkte rasch gekauft werden und immer wieder frische Ware nachgefüllt wird. Wo das nicht so ist, läuft etwas falsch.
@koni: Coop hat sicher vieles richtig gemacht und ist sehr früh auf den Bio-Boom eingeschwenkt. Auch dass Coop die Knospe als Gütesiegel übernommen hat, war ein guter Schachzug. Die Migros als Nachzüglerin wollte nicht dem Coop nacheifern und gründetete deshalb ein (von den Richtlinien her fast identisches) eigenes Label. Die Knospe aber ist nicht von einer Ladenkette abhängig und so kann der Bauer, der Coop beliefert, seine Knospen-Würste beispielsweise auch getrost auf dem Wochenmarkt verkaufen. Steht über dem Marktstand allerding das Migros-Bio Label, denken wohl viele, die Produkte seien von der Migros… Doch mit solch in sich widersprüchlichen Argumenten wie in dieser Broschüre (keine Spur von “guten Gründen”) schadet sich der Coop meiner Meinung nach mehr als wenn man einfach zu dieser Mehr-Verpackung geschwiegen hätte.
hallo patrik,
ich habe deine Mailadresse verlauert. könntest du sie mir nochmals schicken bitte, damit ich dir das Interview mit dir und Domenico Silano zukomme lassen kan.
Danke und liebe Grüsse
Matthias